Kulturelles am Gardasee - Museen, Orte und Geschichte am Gardasee

Castello di Sabbionara d'Avio

Von Februar bis November kann man nordöstlich des Gardasees, in den steilen Schluchten des Etschtals, eine mittelalterliche Festungsanlage mit venezianischem Einfluss besichtigen. Das Castello di Avio thront über dem kleinen verträumten Städtchen Avio, das so malerisch am Fuße des Monte Baldo und des Monte Vignola schlummert. Die Burg war einst eine der wichtigsten Festungen des Trentino, denn von hier aus wurde eine der wenigen Hauptstraßen durch die Alpen bewacht und kontrolliert, die Val Lagarina. Sie verband Nordeuropa und den Mittelmeerraum.

Das Castello di Avio beherbergt wertvolle, antike Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Die Bilder im "Stanza dell'amore", der sogenannten Kammer der Liebe, zeigen das höfische Leben der damaligen Zeit und sind für ihr Alter erstaunlich gut erhalten. Doch nicht nur Freunde historischer Kunst werden hier auf ihre Kosten kommen - auch Naturfans werden dem Charme des Schlossgartens mit seinen anmutigen Ölbäumen und Weinreben verfallen.

Die Burganlage hat einem Bergfried aus dem 11. Jahrhundert. Außerdem hat sie fünf Türme. Einer von ihnen ist der so genannte Picadora, der eine dunkle Vergangenheit aufweist: von ihm baumelten einst die Gehängten herab, damit alle Welt die Straftäter sehen konnte. Zusätzlich zu bestaunen gibt es den Palazzo Baronale mit seinen vielen Kunstschätzen und die starken Festungsmauern zum Schutz der Anlage, die im 13. Jahrhundert nachträglich errichtet wurden. Die Mauern sind dreifach mit Zinnen bestückt und zweifelsohne ein guter Schutz gegen etwaige Feinde. Urkundlich erwähnt wurde die Burg von Avion bereits zur Zeit der Langobarden. Einige überlieferte Texte behaupten gar, dass das frischgetraute Paar Authari und Theodelinde in diesen Burgmauern Unterschlupf fanden. Ein Hauch von Romantik ist noch immer in den kühlen Gemäuern zu spüren. Belegt ist, dass die Festung schon im 13. Jahrhundert der Familie Castelbarco gehörte. Im Jahr 1411 vererbten sie die Burg dann zunächst an die Venezianer. Der venezianische Einfluss ist noch immer deutlich zu sehen, denn die Anlage wurde unter ihrer Hand erweitert und ausgebaut. Zudem wurde die Kapelle San Giorgio und die Fassade der Burg mit Wappen der Dogen verziert. 1509 gelangte die Festung dann in den Besitz des österreichischen Kaisers, der sie später mit einer Hypothek belastete, die der gräflichen Familie d'Arco zu Gute kam. Im 17. Jahrhundert gelangte die Burganlage dann wieder in den Besitz der Castelbarco und somit wieder in die Hand der ursprünglichen Burgherren. Die Fürstin von Castelbarco übertrug das mittelalterliche Schloss dann schlussendlich dem FAI, einem italienischen Umweltfond. Dank dieser Schenkung kann nun jeder kulturinteressierte Besucher die Anlage besichtigen. Der Besuch lohnt sich in jeden Fall: Ein wunderbarer Ausblick, ein malerischer Schlossgarten und einige wertvolle Fresken sind Grund genug, diesen Ausflug unter keinen Umständen zu versäumen. Man sollte sich dieses historische Kleinod nicht entgehen lassen!

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