Kulturelles am Gardasee - Museen, Orte und Geschichte am Gardasee

Il Vittoriale degli Italiani - ein Geschichtsausflug der besonderen Art

Am südwestlichen Ufer des Gardasees, auf einer Anhöhe über dem kleinen Ort Gardone Riviera, befindet sich der Museumskomplex "Il Vittoriale degli Italiani". Der Name dieser Einrichtung bedeutet übersetzt etwa "Siegerdenkmal der Italiener" und bezeichnete ursprünglich das Anwesen des Schriftstellers Gabriele D'Annunzio, das heute den Museumskomplex beherbergt. Neun Hektar ist diese Anlage groß, die neben der Villa ein Militärmuseum, ein Freilichttheater, Gärten, Parks, Wasserläufe und ein Mausoleum umfasst.

300 000 Gäste besuchen jährlich die Vittoriale, die ab 1921 unter Leitung des noch jungen Architekten Giancarlo Maroni auf Weisung Gabriele D'Annunzios umgestaltet wurde. Der exzentrische Schriftsteller und Dichter vermachte das Anwesen schon zwei Jahre später, im Jahr 1923, per Schenkungsurkunde dem "Italienischen Volk".

Auf dem weitläufigen Grundstück fällt die Villa "La Prioria" besonders ins Auge. Dieses Gebäude war einst das Wohnhaus des Dichters. Da sie zuvor dem Kunsthistoriker Henry Thode gehörte und mit Inventar erworben wurde, beinhaltet diese Villa unter anderem Schätze wie eine Bibliothek mit 6000 Bänden, Bilder von Franz von Lenbach und einen Steinway-Flügel von Franz Liszt. Die Prioria zeigt durch die interessanten Sammlungen eindrucksvoll das Leben des D'Annunzio, sowie einen Einblick in die gesamte Epoche seiner Zeit. In diesem Haus hat der Dichter bis zu seinem Tode gewohnt. Ein Jahr nach dem Tod D'Annunzios plante sein Hausarchitekt Maroni ein Mausoleum, das viele Jahre später auf einer Anhöhe des Geländes gebaut wurde. Das Mausoleum aus dem Jahr 1955 erinnert an etruskisch-römische Gräber und greift Motive aus Dante Aligherieris Göttlicher Komödie auf: Den Sieg der Demütigen, der Künstler und der Helden.

Dort findet sich auch der Sarkophag D'Annunzios, der hierher überführt wurde. Ein bronzenes Kruzifix von Leonardo Bistolfi ziert die Krypta des Mausoleums. Das Freilichttheater wurde ebenfalls von dem Architekten Maroni erbaut. D'Annunzio hatte bereits 1927 die Idee dazu gehabt, die Pläne für den Bau wurden allerdings erst 1938 fertig gestellt. Das Parlaggio soll dem römischen Amphitheater von Pompeii nachempfunden sein, ebenso zeigt es Einflüsse des Theaters von Taormina. Der Bau wurde erst im Jahr 1953 abgeschlossen. Das Theater kann 1500 Zuschauern Platz bieten, hier finden noch heute zahlreiche Aufführungen statt. Ein großer Sektor des Museumsgeländes ist der Militärgeschichte gewidmet. So findet sich ein Kreuzer der italienischen Marine namens La Puglia auf dem Hang La Fida. Er war ein Geschenk der Marine an D'Annunzio, das er 1923 erhielt. Das Torpedoboot MAS wurde ihm ebenfalls von der Marine geschenkt, als Dank für seinen Einsatz. Es ist mit dem Motto memento audere semper, also "denke daran, immer zu wagen" beschriftet. Das im Jahr 2000 eröffnete Kriegsmuseum beinhaltet nun alle Gegenstände, die mit D'Annunzios Kriegserfahrung in Verbindung stehen. Der Dichter war in Wien im Ersten Weltkrieg im Einsatz, ebenso in Julisch Venetien, Istrien, Dalmatien und in Fiume.

Die umfangreiche Sammlung der Vittoriale ist für geschichtlich interessierte Besucher ein wahrer Schatz. Das Museum ist täglich geöffnet, Führungen können auch in Anspruch genommen werden. Außerdem gestalten eine Café-Bar und ein Museumsshop den Aufenthalt so angenehm wie möglich.

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